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Topologische Struktur elektromagnetischer Felder in leitenden Fluiden
Interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Volkswagen-Stiftung
Volkswagen-Stiftung
 
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Inhalt: Einführung   Projekte   Resultate

Einführung

Die Fortschritte in den Bereichen der Weltraumphysik, der Astronomie und auch der Astrophysik haben in den letzten Jahren in zunehmendem Maße die Bedeutung magnetischer Felder in diesen Bereichen gezeigt. Die elektromagnetische Wechselwirkung gehört neben der Gravitation zu den beiden langreichweitigen Kräften, die wir kennen, und ist damit in der Lage großskalige Felder aufzubauen. Dies geschieht durch die Konvektion ionisierter Materie, des sogenannten Plasmas, das mit wenigen Ausnahmen überall im Universum vorliegt, wenn auch in sehr verschiedenen Zuständen. Diese reichen von den extrem heißen und dichten Plasmen der Sterne bis zu den stark verdünnten, nur teilweise ionisierten Plasmen des interstellaren Medium. Auf diesen großen, astrophysikalischen, Skalen lassen sich Plasmen mit den in sie eingebetteten Magnetfeldern sehr gut durch eine Fluid-Theorie, die sogenannte Magnetohydrodynamik, beschreiben. In dieser, der Hydrodynamik verwandten Theorie wird das Plasma als ein elektrisch gut leitendes Fluid beschrieben, in dem durch die Strömung des Plasmas magnetische Felder induziert werden können, die dann umgekehrt wiederum durch Kräfte, die sogenannten Lorentz-Kräfte, auf das Plasma rückwirken. Durch diese Wechselwirkung zwischen Plasma und Magnetfeld kann eine beeindruckende Vielfalt von Strukturen entstehen, die oft Verknotungen oder Verknüpfungen des magnetischen Flusses zeigen. In diesen komplexen Feldstrukturen können enorme Mengen an Energie gespeichert werden. Es ist nun eine typische Eigenschaft astrophysikalischer Plasmen, daß die Dynamik dieser Strukturen aus einem Wechselspiel besteht von idealem Verhalten, bei dem sich das Plasma nur unter Erhaltung aller Verknüpfungen (Erhaltung der Topologie) bewegt und einer Art Aufreißen der magnetischen Struktur, der sogenannten magnetischen Rekonnexion. Bei der Rekonnexion bricht der magnetische Fluß auf und verbindet sich neu (``re-connects''), ein Prozeß, der oft von dramatischen Eruptionen begleitet ist, und bei dem große Energiemengen freigesetzt werden können. Solche Vorgänge lassen sich sehr gut auf der Oberfäche unsere Sonne verfolgen, wie auch die jüngsten, beeindruckenden Beobachtungen durch die Satelliten Yohkoh und SOHO zeigen. Sie spielen aber auch eine wichtige Rolle für die unmittelbare Umgebung der Erde. Zum Beispiel spielen sich Rekonnexionsprozesse an der Magnetopause ab, wo der Sonnenwind auf das Magnetfeld der Erde trifft, oder auch in dem durch den Sonnenwind langestreckten Magnetschweif der Erde. In beiden Fällen werden durch die von der Rekonnexion erzeugten elektrischen Felder Teilchen beschleunigt, die wiederum in den Polarregionen zu den Nordlichtern (Aurora) und sogenannten geomagnetischen Stürmen führen. Auch für die Dynamo-Theorie, welche sich mit der Erzeugung und Aufrechterhaltung von Magnetfeldern in Planeten und Sternen befaßt, spielt die Speicherung und Freisetzung magnetischer Energie in komplexen Feldern eine wichtige Rolle. Selbst in der Astrophysik entfernterer Objekte, wie z. B. Pulsaren, Galaxien, protogalaktischen Wolken, verstärkt sich die Hinweise, daß Magnetfelder nach der Gravitation den größten Einfluß auf die Selbstorganisation der Materie haben. Nach einer anfänglich sehr dynamischen Phase in der Erforschung und Modellierung dieser magnethydrodynamischen Selbstorganisation von Plasmen, die mit einfachen Modellen zunächst beeindruckende Erfolge erzielen konnte, treten jetzt zunehmend schwierigere Probleme in den Vordergrund. Insbesondere zeigen viele Beobachtungen eine enorme Komplexität in der Struktur des Magnetfeldes, denen die einfachen Modelle nicht mehr gerecht werden. Es ist daher unbedingt notwendig einen theoretischen Rahmen zu haben, der die für eine Analyse wesentlichen physikalischen Größen bestimmt.

X-ray image Sun Eine Aufnahme der Sonne im Röntgenlicht zeigt
die komplexe Struktur der magnetischen Felder,
da das die Strahlung erzeugende Plasma eng an
die magnetischen Felder gebunden ist.

Eine größere Version des Bildes zeigt mehr Details.
(Aufnahme des Soft-X-Ray Teleskops des
YOHKOH-Satelliten 1992)


Solch ein theoretischer Rahmen könnte sich aus der Nutzung interessanter Parallelen zwischen den Strukturen von Magnetfeldern und der mathematischen Knoten-Theorie, ergeben. In diesem sehr schnell wachsenden Gebiet der Topologie sind sogenannte Invarianten bekannt, die die Verknüpfung bzw. Verknotung von einzelnen Linien beschreiben und daher ein Maß für die Komplexität darstellen. Entsprechende Größen für die Feldlinien von (divergenzfreien) Vektorfeldern wären von größtem Interesse, um die komplexen Strukturen magnetischer Felder zu beschreiben und zum Beispiel den Energieinhalt einer verwickelten magnetischen Struktur zu bestimmen. Ein Übertragung solcher Maße von isolierten Linien auf Felder ist auch schon an einzelnen einfachen Fällen gelungen, und es spricht viel dafür, daß dies mit Methoden der Topologie und Differentialgeometrie auch für komplexere Fälle möglich ist. In einem völlig neuen Ansatz sollen nun diese topologischen Maße auf das elektromagnetische Feld, also die physikalisch genauere Berschreibung, welche das elektrische Feld mitberücksichtigt, erweitert werden. Dies wird durch bestimmte Analogien in der mathematischen Beschreibung nahegelegt und stellt einen außergewöhnlichen, interessanten und neuen Zugang zum Verständnis des elektromagnetischen Feldes dar. Darüberhinaus ist es von großer Bedeutung die Dynamik dieser komplexen Strukturen zu verstehen. Hier zeigt die oben erwähnte Rekonnexion enge Parallelen zu einem Aufschneiden von Verknüpfungen in der Knoten-Theorie. Dies spricht dafür, daß auch die globale Dynamik magnetischer und elektromagnetischer Felder mit Hilfe solcher Größen charakterisiert werden kann.

Verschiedene Links zu (hoffentlich) allgemeinverständlichen Darstellungen des weiteren Umfeldes.

Forschungsprojekte

  • Entwicklung von Komplexitätsmaßen für magnetische und allgemeiner elektromagnetische Felder
  • Untersuchung der Beziehung diese Maße zu Knoteninvarianten.
  • Untersuchungen der Topologie magnetischer (elektromagnetischer) Felder in Plasmen und ihre Dynamik, insbesondere in Hinblick auf kritische Phänomene wie die magnetische Rekonnexion.
  • Darstellung und Visualisierung elektromagnetischer Felder.
  • Anwendung der Theorie auf astrophysikalische Plasmen, insbesondere auf das Problem der Koronaheizung.

Resultate

Die folgenden Computer-Presentationen zeigen einige unserer Ergebnisse. Für eine genauere Darstellung verweisen wir auf unsere Publikationen .
  • Topological methods in Fluid dynamics by G. Hornig (PDF)
  • Processes at magnetic null points by V.S. Titov (PDF)
  • Magnetic Connectivity by V.S. Titov (PDF)
  • Topological invariants of higher order by C. Mayer (PDF)
  • Linking in Four Dimensions by H.v. Bodecker (PDF)
  • New solutions for reconnective magnetic annihilation with curvilinear geometry by E. Tassi (PDF)
  • Non-ideal MHD Properties of Magnetic Flux Tubes in the Solar Photosphere by J. Kleimann (PDF)
  • Magnetic Helicity under Reconnection by G. Hornig (PDF)
  • Maximum information from magnetic helicity by G. Hornig (PDF)
Diplom- und Promotionsarbeiten
  • Magnetische Kopplung zwischen Chromosphaere und Konvektionszone der Sonne Diploma Thesis by J. Kleimann (PDF 0.9MB, German)
  • Zur Interpretation der Novikov-Invarianten in der Fluiddynamik Diploma Thesis by H. v. Bodecker (PDF 1MB, German)
  • Topological link invariants of magnetic fields PhD-Thesis by Christoph Mayer (PDF 7MB)
 
 
Last Update: 23.12.2003 | Responsible: G. Hornig